Die Kunstbrut

Bei der Kunstbrut müssen wir als Entenhalter vieles – was eigentlich die Entenmutter für uns übernimmt – nachahmen. Dies gilt aber nicht nur für Enten, sondern sicher auch für andere Geflügelarten. Voraussetzung ist natürlich eine geeignete „Brutmaschine“ oder in Fachkreisen auch „Inkubator“ genannt. Solche Geräte gibt es im Internet mittlerweile zuhauf. 

ACHTUNG: Kaufen Sie bitte keine billigen „China – Brüter“ für billiges Geld. Das A. und O.. Bei solchen Geräten ist die Einhaltung der Temperatur nicht immer gegeben, bzw. schwankt extrem! Dies kann negative Folgen für unsere Kunstbrut haben. Ich selbst habe solche Brüter getestet, meine Meinung: Finger weg !!!

Zunächst werden alle Eier aus dem Entennest entnommen. Die Ente wird dadurch zu einem Ersatzgelege animiert, welches sie dann selber ausbrüten sollte. Dabei ist etwas Geduld gefragt: Wir warten wirklich, bis ALLE Eier gelegt sind. Immer wieder einzelne Eier zu entnehmen, hätte fatale Folgen für den Brutvorgang, aber auch für das Verhalten der Ente. Wollen wir von verschiedenen Enten brüten, sind die Eier mit einem Bleistift zu kennzeichnen, um später die Küken den Enten zuordnen zu können. Die Beschriftung mit Hilfe von Filzstiften oder Kugelschreibern haben auf dem Entenei nichts, aber auch gar nichts verloren! Die darin enthaltenen Giftstoffe können das Küken im Ei schädigen! Im Übrigen: Der Bleistift enthält nur Graphit und Ton, KEIN Blei. Graphit besteht aus Kohlenstoff und ist, genauso wie Ton, ein natürlich vorkommendes Mineral!

Für den Anfänger sollte die Kunstbrut immer unter Mithilfe eines erfahrenen Züchters oder eines Geflügelzuchtvereines Vorrang haben. Dieser wird uns mit seiner Erfahrung mit Rat und Tat zur Seite stehen. In vielen Städten gibt es auch sog. “Lohnbrütereien” oder Vereine, die unsere Eier recht preiswert ausbrüten können.
Natürlich muß das Brutei befruchtet sein. Dies kann man aber erst nach zirka 8 Tagen feststellen.
Doch nun zur eigentlichen Kunstbrut:
Die aus dem Nest entnommenen Eier werden zunächst für ca. 10-12 Stunden bei Zimmertemperatur gelagert, um die Kerntemperatur im Ei langsam zu steigern. Dies kann in der Wohnung, aber auch im etwas kühlerem Keller oder unserer Speisekammer geschehen. Keinesfalls sind die Eier in Heizungsnähe zu lagern oder Sonnenbestrahlung auszusetzen!
Gute Dienste zur Lagerung leisten dabei alte Eierkartons, die mit “Bruteier” beschriftet werden. Die Eier liegen dabei immer möglichst waagerecht oder mit der stumpfen Seite nach unten !

Vor dem Einlegen der Eier in den Brutapparat sollte dieser auf einwandfreie Funktion und vor allem “Temperaturkonstantheit” geprüft werden. Ich empfehle hier eine Woche Vorlaufzeit ! Ist alles im grünen Bereich, werden die Wasserwannen zur Luftbefeuchtung befüllt und die Eier vorsichtig eingelegt sowie die Maschine verschlossen. 

Beim Brüten der Eier von Rotschulterenten ist von nun an folgendes zu beachten:
Die Bruttemperatur während der Vorbrutzeit also vom 1. bis zum 19. Tag liegt zwischen 37,6 bis 37,8 Grad. Die Brutmaschine ist also idealerweise auf 37,7 Grad einzustellen.  
Vom 3. bis zum 19. Tag an sind die Eier täglich 2-3 mal zu wenden, und zwar immer um einen Winkel von ca. 160°. Das Wenden verhindert das Verkleben des Keimlings an der Eihaut. Gute Brutmaschinen „wenden“ die Eier automatisch, bei einfachen Geräten muß „manuell gewendet“ werden.  
Die Schlupfbruttemperatur ab dem 20. Tag bis zum Schlupf sollte bei 37,3 bis 37,5 Grad liegen. Die Brutmaschine ist also auf 37,4 Grad einzustellen.
ACHTUNG: Von nun an (20.Tag) werden die Eier nicht mehr gewendet. Das Wenden in der Schlupfbrutzeit kann falsche “Pickbereiche” zur Folge haben, das Küken könnte beim Schlupf steckenbleiben und absterben. Die automatische Eierwendung ist also abzuschalten!
Nun (20.Tag) werden alle “Wendehorden” entnommen, und die Eier mit etwas Abstand auf den Boden der Brutmaschine gelegt. Zusätzlich werden nun ALLE möglichen Verdunstungswannen mit kaltem bis lauwarmen Wasser gefüllt. Da wir Wassergeflügel brüten, benötigen wir jetzt eine möglichst hohe Luftfeuchtigkeit von 85 – 90 % im Brutgerät.
Die Entlein schlüpfen jetzt normalerweise dann vom 23. – 26. Tag.

Am 8. und am 16. Tag sind die Bruteier zu “schieren”.
Unter “Schieren” versteht man das Durchleuchten der Eier mit einer hellen Lampe, der sog. “Schierlampe”.
Dabei kann man erkennen, ob die Eier befruchtet sind oder nicht.

weitere, wichtige Hinweise zum Brüten:
Wir brüten Eier von Wassergeflügel, deshalb ist auch während der Brutphase großzügig mit Wasser umzugehen! 

Extrem wichtig ist hier die richtige Luftfeuchtigkeit im Brutkasten. Gute Brutgeräte haben eingebaute Wasserwannen zur Verdunstung. Es ist immer darauf zu achten, das alle Wannen mit kaltem bis lauwarmen Trinkwasser aufgefüllt sind!
Eine gute Belüftung der Brutmaschine sorgt für Frischluft, aber auch für eine gute Luftzirkulation, wodurch die Temperatur und die Luftfeuchtigkeit gut auf unsere Eier einwirken können.

Auch das Kühlen der Eier ist sehr wichtig:
Das Kühlen der Eier hat ab dem 4. Bruttag 2-3 mal täglich zu erfolgen. Dabei nehmen wir den Deckel unserer Brutmaschine ab und besprühen die Eier leicht mit kaltem bis “leicht-lauwarmen” Wasser. Positiv wirkt sich auch eine Wasser-Essig-Lösung aus. Dabei wird auf 1 Liter Wasser ein Esslöffel Essig oder ein Teelöffel Essigessenz vermischt. Diese Lösung soll die Schale “poröser” machen, und somit den Küken den Schlupf erleichtern. Wir lassen den Deckel ab dem 4. Tag nun ca. 10 min offen, besprühen die Eier mit Wasser und schließen ihn dann wieder. Die Brutmaschine wird dabei nicht ausgeschaltet. Die Kühldauer bis zum Schlupf wird nun immer weiter erhöht, bis sie am 19. Tag ca. 30 min. beträgt.
Um feststellen zu können, ob die Eier befruchtet sind, werden diese erstmals am 8. Bruttag durchleuchtet (geschiert). Eine andere Möglichkeit ist das eintauchen der Eier in ein Wasserbad. Nicht befruchtete Eier werden sofort aussortiert und entfernt! Dieser Vorgang sollte dann am 16. Bruttag wiederholt werden.
Wenn man Glück hat, wird man den Schlupf durch den Glasdeckel oder der Türe der Brutmaschine beobachten können. Die frisch geschlüpften Küken mit noch nassen Daunen verbleiben noch so lange im Gerät, bis die Daunen trocken sind, erst danach werden sie herausgenommen und in einem gut ausgepolsterten Karton unter Infrarotlicht gewärmt und gefüttert.

Die Brutmaschine wird nun peinlichst genau gesäubert, der Fachhandel bietet hier gute Desinfektionsmittel an. Nach kurzer Einwirkfase kann dann die Maschine innen mit Küchenkrepp und einem Einweg Küchen – Schwämmchen gereinigt werden. Nach dem Trocknen an der Sonne oder an der Heizung ist dann der Inkubator für die nächste Brut oder für das Einmotten bis zur nächsten Saison wieder bereit.

mein FAZIT:

Will man in die Kunstbrut einsteigen, ist eine gute Brutmaschine MIT CE Zertifizierung absolute Voraussetzung.

Deshalb:

Finger weg von billigen Maschinen aus dem Internet.

Kaufen Sie sich etwas vernünftiges, Sie werden lange Zeit Ihre Freude daran haben. 

meine Brutmaschine, Marke “Cuvatutto 24 digital” mit vollautomatischer Eierwendung für 24 Eier. Zu sehen ist der blaue Wendemotor links sowie der Microprozessor gesteuerte Aufsatz mit LCD Anzeige. Die Termparaturschwankung im Gerät liegt bei +/- 0.2 Grad auf Eihöhe. Dies ist geradezu genial. Auf der rechten Seite des Gerätes kann man von außen "Verdunstungs-Wasser" auffüllen, ohne das Gerät zu öffnen!
Ein weiterer, riesiger Vorteil: Wendemotor und Heizung/Lüfter haben 2 getrennte Stromkreise! Der Wendemotor ist im Gegensatz zu China Brütern nicht mit Deckel verbunden!
WICHTIG: Achten Sie IMMER beim Kauf von solchen Geräten auf das "CE" Prüfzeichen. Viele billige "China-Brüter" haben dies nicht oder sind gefälscht. Im Falle eines Brandes durch Kurzschluß o.ä. zahlt hier KEINE Versicherung !!!

Meine 2. Brutmaschine, Marke “No Name China” mit vollautomatischer Eierwendung für 24 Eier für 45 €uro. Schönes Design, tolle leider nutzlose LCD Anzeigen, Lampe zum Schieren absolut nutzlos, da viel zu schwach, Temaraturkonstanz +/- 4° (!!!). Der Deckel ist mit einem viel zu kurzen Kabel zum Wendemotor verbunden, will man den Deckel beiseite legen, muß man jedes mal das Kabel trennen.

Mein Fazit:
Absolut unbrauchbares Teil.

ordentlich beschrifteter Eierkarton mit 10 Bruteiern, so ist eine zufällige Verwechslung durch Dritte ausgeschlossen.

eingeschaltete “Schierlampe” zum Durchleuchten der Eier

Eier unter der “Schierlampe” betrachtet: links: Das Ei ist befruchtet, Keimling wächst im Ei, die Blutgefäße sind gut erkennbar, rechts: Das Ei ist klar, also unbefruchtet oder der Keimling ist nach dem Legen abgestorben. Eine komplette Bilderserie von 26 Bruttagen in 2-Tages-Schritten findet ihr unter dem Reiter “Das Ei”.

Alternativ zum Schieren kann man auch die “Wasserprobe” durchführen. Dabei werden die Eier in lauwarmes Wasser gelegt. Das Verhalten der Eier wird oben im Bild beschrieben. Bleiben die Eier auch nach dem 10. Bruttag am Boden liegen, sind diese unbefruchtet, da sich bei unbefruchteten Ei keine Luftblase entwickeln kann. Dagegen sind Eier, die aufsteigen und schwimmen, befruchtet. Diese Eier sind ohne sie trocken zu reiben wieder in die Brutmaschine zu legen!