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Aufzucht der jungen Enten

In diesem Kapitel wird wie bei der Kunst- oder Naturbrut auch zwischen natürlicher und künstlicher Aufzucht unterscheiden.

1. Die natürliche Aufzucht durch die Entenmutter:

Bei der natürlichen Aufzucht nimmt uns die Entenmutter die meiste Arbeit ab. Sie sorgt für Wärme, Geborgenheit, Schutz, Trockenheit und wehrt Feinde ab. Sie führt die kleinen zum richtigen Futter und bringt ihnen artgerechtes Verhalten bei. Natürlich immer unter der Voraussetzung, das der Halter auch die  entsprechenden Dinge in der Voliere bereitstellt.

Die zahme und eigentlich zutrauliche Ente wirkt auf uns Menschen in diesem Zeitraum nicht gerade freundlich. Kommt man ihr zu nahe, wird sie es uns mit geöffneten Schnabel und “fauchenden” Geräuschen danken. Selbst “Scheinangriffe” auf unsere Schuhe oder Beine sind beim Betreten der Voliere möglich. Sie möchte damit nur ihre Küken verteidigen, genau so wie es viele andere Tiere auch machen würden.

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7 Tage alte Entenküken meiner Ente “Suse”. Wichtig: flache Wasserschalen bereitstellen, so daß die Küken nicht ertrinken und gut aus- und einsteigen können!

Vom ersten Tag an sollte der Entenfamilie frisches Wasser, aber auch eine Schwimmgelegenheit angeboten werden. Solange die Enten bei ihrer Mutter Schutz suchen, wird diese mit dem Fett, das an ihrem Bauchgefieder anhaftet, einfetten, und sind dadurch schon von Anfang an schwimmfähig. Doch bereits nach dem ersten Wasserkontakt beginnen die Küken das Fett aus ihrer Bürzeldrüse fleißig über ihr gesamtes Daunenkleid zu verteilen. Bei vielen Entenrassen reagiert der Erpel extrem aggressiv auf die Küken, was auch oft zum Tode er Küken führt. Nicht bei unseren Rotschultern. Der Erpel kümmert sich fürsorglich um seinen Nachwuchs!

Bei richtiger und vor allem stetiger Fütterung (siehe Reiter Fütterung) wachsen die Küken extrem schnell. Man kann nahezu täglich zuschauen, wie die Tiere wachsen und bereits nach ca. 50 - 55 Tagen bzw. 7-8 Wochen Flügge werden. Nun löst sich die Bindung zur Entenmutter komplett und die Tiere werden selbständig. Dies ist nun der früheste Zeitpunkt um die Tiere zu “veräußern”.

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meine Entenfamilie mit 5 - Wochen alten Küken

Interessant dabei ist, das immer alle Küken dasselbe tun. Entweder baden alle zusammen, nehmen gemeinsam ein Sonnenbad, putzen sich zusammen oder schlafen gemeinsam.

Eine Zufütterung der Enten in dieser Wachstumsphase ist extrem wichtig. Der Fachhandel hält dafür entsprechendes Futter bereit. “Küken-Starter, oder “Kükenalleinfutter” ist dabei die richtige Wahl. Aber auch frisch geschöpfte Wasserlinsen, auch “Entenflott” genannt, fein geschnittene Löwenzahnblätter, und junge Brennesseln sind begehrt. Später können auch getrocknete Garnelen, Mehlwürmer, Bachflohkrebse und Zuckermückenlarven gereicht werden.

Die Geschlechtsbestimmung unserer Rotschulterente ist frühestens im Alter von ca. 8 - 9 Wochen möglich. Bis zu diesem Alter sehen alle Küken gleich aus. Ab der ca. 8 Woche ändert sich jedoch das Federkleid im Gesicht der Tiere:

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Bild oben: 8 Wochen altes Küken, weißer Streifen über den Augen und seitlich am Hinterkopf erkennbar, Tier ist eindeutig weiblich.

Bild unten: 8 Wochen altes Küken, Gesicht ohne Streifen über den Augen und am Hinterkopf, einheitlich hellgraue bis weiße Färbung im Gesicht. Über dem Scheitel wird der schwarze “Aalstrich” sichtbar. An den Flügeldecken (bzw. Schultern) wird langsam die ROTE Farbe (deshalb “ROTschulterente”) sichtbar. Tier ist eindeutig männlich.

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Die Küken beleiben nun für ca. 9 Wochen unter der Obhut der Mutter, dann löst sich die Bindung langsam auf. Die Jungenten gehen ab jetzt ihre eigenen Wege.

2. Die künstliche Aufzucht durch den Menschen:

Unsere Entlein sind von Anfang an sehr widerstandsfähig und dadurch entsprechend leicht aufzuziehen.

Früher wurden die Entlein in einem alten Karton an einem warmen Platz im Wohnzimmer aufbewahrt. Der Karton war dick ausgepolstert mit einer Schicht Wellpappe und allerhand Stoffresten. In diesem Karton schliefen die Entchen. Ein zweiter Karton zum fressen und schwimmen wurde ebenfalls hergerichtet. Immer wenn die Entchen gefressen, gebadet und gekotet hatten, wurden sie in den “Schlafkarton” zurückgesetzt. Über den Entchen wurde meist ein Infrarot-Strahler angebracht. So kuschelten die Enten aneinander und man sah ihnen richtig die Zufriedenheit an.

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meine 7 Rotschulterenten - Küken kurz nach dem Schlupf

Es gibt zwar heute auch noch Züchter, die diese alte Methode bevorzugen, allerdings gibt es im Fachhandel mittlerweilen etliche Hilfsmittel, die die Aufzucht und die damit verbundene Arbeit doch wesentlich erleichtern: Wärmeplatten, Wärmetunnel, Kükenaufzuchtboxen und Kükenheime sind heutzutage die Mittel der Wahl. Über Sinn und Unsinn solch einer Anschaffung sollte sich jeder selbst Gedanken machen, zumal die Teile nicht gerade billig sind.

 
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oben: selbsgebautes “Kükenheim” mit Bade, Schlaf, und Fressabteil.

Eine Badegelegenheit kann in flachen Wannen bereitgestellt werden. Es ist aber unbedingt darauf zu achten, das die Tiere selbständig hineinsteigen und heraushüpfen können. Auf keinen Fall darf das Wasser zu tief sein, die Enten müssen das Einfetten ihrer Daunen erst lernen, damit sie überhaupt vom Wasser getragen werden zu können.

 

Sauberes Trinkwasser und Futter ist ganztägig bereitzustellen und möglichst oft zu erneuern. Die Küken lernen schnell, wo es etwas zu fressen gibt und wo gebadet werden kann.

Absolute Sauberkeit, Trockenheit der Einstreu und des Futters, ständiges entfernen des abgesetzten Kotes sollte für den Halter selbstverständlich sein. Die Küken werden sich bei ordentlicher Haltung schnell entwickeln, uns dabei viel Arbeit, aber auch eine Menge Freude bereiten.

Wenn die Temperaturen über 20 Grad steigen, die Entlein ca. 6 Wochen alt sind, dürfen sie das erste mal in die Voliere. Unter unserer Aufsicht sollen sie sich das erste mal frei bewegen und in der großen, tiefen Wanne schwimmen. Nun ist die Zeit gekommen, an der die Jungenten täglich in die Voliere entlassen werden. Nach der “Jugendmauser” im Alter von ca. 60 Tagen dürfen sie dann ganz in der Voliere bleiben, und brauchen nicht mehr in den Stall gesperrt zu werden.

Abschließend kann gesagt werden, dass die künstliche Aufzucht doch erstaunlich gut gelingt, da die Vögel sehr schnell selbständig werden und stetig dazulernen. Ihr enormes Wachstumstempo und ihr Anpassungsvermögen sowie ihre geringe Krankheitsanfälligkeit sind Grundlagen für eine reibungslose Aufzucht und sehr geringen Verlusten.

 

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